Warum wir eine NEUE Reformation brauchen! Von Dr. theol. Lothar Gassmann

Die gegenwärtige kirchliche Lage

Die evangelischen Kirchen in vielen Ländern haben sich heute sehr weit von ihrer biblisch‑reformatorischen Grundlage entfernt. Gewiss ist die evangelische Kirche eine allezeit zu reformierende Kirche (ecclesia semper reformanda). Doch heute ist der Graben zur biblisch-reformatorischen Norm sehr groß geworden. Eine Reformation ist daher ‑ innerhalb des Protestantismus! ‑ notwendiger denn je. Nachfolgend möchte ich anhand der dogmatischen Hauptpunkte (loci) einen systematischen Überblick über die gravierendsten Abweichungen geben.

Nach biblisch‑reformatorischer Sicht ist die Kirche eine Schöpfung des Wortes Gottes (creatura verbi Dei). Martin Luther schreibt: „Wo das Wort ist, da ist die Kirche“ („Ubi est verbum, ibi est ecclesia“; WA 39/2, 176). Im Augsburger Bekenntnis wird Kirche definiert als „Versammlung der Gläubigen, in der das Evangelium rein gelehrt und die Sakramente dem Evangelium gemäß verwaltet werden“ (CA 7). Auch Johannes Calvin führt aus:

„Überall, wo wir wahrnehmen, dass Gottes Wort lauter (rein) gepredigt und gehört wird und die Sakramente nach der Einsetzung Christi verwaltet werden, lässt sich auf keinerlei Weise daran zweifeln, dass wir eine Kirche Gottes vor uns haben“ (Institutio Christianae Religionis IV,1,9).

Kirche ist eine Schöpfung des Wortes Gottes. Und dieses Wort ist ihr in einzigartiger und nicht zu überbietender Weise in der Bibel gegeben. Was geschieht aber, wenn der Kirche das Wort geraubt wird oder wenn sie sich selber dieses Wortes beraubt? Das ist keineswegs nur eine rhetorische Frage. Denn in genau dieser Situation des weithin verloren gegangenen Wortes Gottes befindet sich die evangelische Kirche heute.

Beginnend mit dem Zeitalter der Aufklärung und einer sich autonom gebärdenden Vernunft versuchte die Bibelkritik, sich des Wortes Gottes zu bemächtigen. Indem dieses ‑ gegen seinen Selbstanspruch (vgl. z.B. Joh 17,17; 1. Tim 3,16; 2. Petr 1,20 f.) ‑ wie ein bloßes Menschenwort behandelt wurde, büßte es für viele seine Autorität ein. Der Kirche wurde damit ihre Grundlage und Widerstandskraft gegen den Zeitgeist und die damit einhergehenden Ideologien weitgehend genommen. Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf hat gedichtet: „Wenn Dein Wort nicht mehr soll gelten ‑ worauf soll der Glaube ruh`n? Mir ist`s nicht um tausend Welten, aber um Dein Wort zu tun.“ Dies lässt sich auch in Bezug auf die Kirche sagen: Wenn Dein Wort nicht mehr soll gelten ‑ worauf soll die Kirche ruh`n?

Vielen ist es nicht bewusst, dass die Bibelkritik letztlich einer Haltung des Skeptizismus (um nicht zu sagen: des Unglaubens) entstammt. Die Fähigkeit Gottes, sich ‑ etwa durch Zukunftsprophetien ‑ zu offenbaren und Wunder zu tun, wird für unmöglich bzw. mit der autonomen Vernunft nicht vereinbar erklärt. Diese Haltung des Skeptizismus steht jedoch im Gegensatz zum durchgehenden Selbstanspruch der Heiligen Schrift. „Gelobt sei Gott der Herr, der Gott Israels, der allein Wunder tut“, lesen wir z.B. in Psalm 72,18.

Die falsche, vom Skeptizismus geprägte Hermeneutik, wie sie sich etwa grundlegend in der historisch‑kritischen Methode manifestiert, beruht folglich auf einem falschen Gottesbild. Sie stellt sich Gott als machtloses Prinzip ‑ gewissermaßen „ohne Arme und Beine“ ‑ vor, das nicht in den Weltenlauf eingreifen kann. Die Schriftfrage ist somit im Grunde eine Gottesfrage. Unser Verständnis, das wir von Gott haben, entscheidet über unser Verhältnis zur Heiligen Schrift.

Mit der Gotteslehre hängt die Christologie (Lehre von Christus) untrennbar zusammen. Hatte in altkirchlicher Zeit der als Ketzerei verurteilte Arianismus die ewige Gottheit Jesu Christi hinterfragt, Christus aber als übernatürlichen Logos (Wort Gottes) anerkannt, so stehen wir heute Irrlehren außerhalb und innerhalb der Kirchen gegenüber, im Vergleich zu denen der Arianismus fast schon als orthodox (rechtgläubig) gelten könnte. Abgesehen von ganz radikalen Christusgegnern, welche die Existenz Jesu Christi überhaupt bestreiten, wird ihm von vielen anderen nur noch sein Menschsein zuerkannt. Jesus sei ein Sozialrevolutionär, Befreier, Friedensprediger, Esséner, Vorbild und ähnliches gewesen, aber keineswegs der Sohn Gottes bzw. Gott in der zweiten Person der Trinität (Dreieinigkeit). Solche Ansichten werden im Raum der evangelischen Kirche nicht nur geduldet, sondern von einflussreichen Theologen auch massiv vertreten.

In der Heiligen Schrift wird demgegenüber deutlich betont: „Das ist Gottes Zeugnis, dass Er Zeugnis gegeben hat von Seinem Sohn. Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat dieses Zeugnis in sich. Wer Gott nicht glaubt, der macht Ihn zum Lügner; denn er glaubt nicht dem Zeugnis, das Gott gegeben hat von Seinem Sohn … Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht“ (1. Joh. 5,9 ff.).

Mit der Entleerung der Gotteslehre und Christologie geht eine Entleerung der Hamartiologie (Lehre von der Sünde) und Soteriologie (Lehre vom Heil) einher. Wo man Gottes Wort kritisiert, wo man Gott und Seinem Sohn Jesus Christus keine übernatürliche Wirksamkeit zutraut, da bleibt der Mensch mit sich allein. Da bleibt ihm nur übrig, auf seinen angeblich „guten Kern“ zu vertrauen, seine sündhafte Verdorbenheit und Verlorenheit zu leugnen und sich krampfhaft um seine Selbsterlösung zu bemühen.

Solche teils offenen, teils versteckten Selbsterlösungs‑Ideologien haben in großer Zahl in die Kirchen Einzug gehalten. Als Beispiele seien genannt:

‑ eine feministische Blut‑„Theologie“, die das Heil aus den Kräften der Frau und ihrem Menstruationsblut anstatt von Jesus Christus erwartet;

‑ eine Befreiungs‑ und Revolutions‑„Theologie“, die ihre Hoffnung auf die Kraft gesellschaftlicher Gruppen und deren revolutionären Kampf richtet;

‑ eine Psycho‑„Theologie“, die Heilung aus der Kraft des menschlichen Selbst und entsprechenden Techniken erhofft, welche der Selbst‑Verwirklichung dienen sollen.

Allen solchen Bestrebungen ist das Wort des Apostels Petrus entgegenzuhalten, das er im Blick auf Jesus als den lebendigen Sohn Gottes dem Hohen Rat in Jerusalem zugerufen hat: „In keinem anderen ist das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir gerettet werden“ (Apg. 4,12).

Wo der Glaube an Gott und Seine Macht verlorengeht, kommen die Dämonen durch die Hintertür herein. Und so sind auch auf dem Gebiet der Ethik Entwicklungen zu beobachten, die in ihrem Ausmaß und ihrer Wucht nur als dämonisch inspiriert beurteilt werden können. Ein Dammbruch ungeahnten Ausmaßes ist in den letzten Jahrzehnten in Gesellschaft und Kirche vieler Länder erfolgt. Zusammenfassend seien nur genannt:

‑ der ständig abnehmende Widerstand gegen die Kindestötung im Mutterleib, insbesondere in den evangelischen Kirchen;

‑ die wachsende Duldung (und zum Teil bereits „Segnung“) homosexueller Lebensformen;

‑ das weitgehende Fehlen klarer kirchlicher Stellungnahmen zu „freier Liebe“, unehelichem Zusammenleben, Pornographie, Polygamie, Inzest und Euthanasie.

Deutlich warnt die Heilige Schrift vor solchen Verirrungen und ihren Folgen:

„Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen. Und wie sie es für nichts geachtet haben, Gott zu erkennen, hat sie Gott dahingegeben in verkehrten Sinn, so dass sie tun, was nicht recht ist, voll von aller Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier, Bosheit, voll Neid, Mord, Hader, List, Niedertracht; Zuträger, Verleumder, Gottesverächter, Frevler, hochmütig, prahlerisch, erfinderisch im Bösen, den Eltern ungehorsam, unvernünftig, treulos, lieblos, unbarmherzig. Sie wissen, dass, die solches tun, nach Gottes Recht den Tod verdienen; aber sie tun es nicht allein, sondern haben auch Gefallen an denen, die es tun“ (Röm. 1,26-32).

„Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben. Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes“ (1. Kor. 6,9-11).

Anstatt den ‑ etwa von sexueller Perversion ‑ betroffenen Menschen zu helfen und sie auf die heilende und befreiende Liebe Gottes hinzuweisen, sind die evangelischen Kirchen in einer leider wachsenden Zahl von Ländern dabei, deren Perversion gutzuheißen und sie in ihrer Sünde und Verlorenheit zu lassen. Eine solche Haltung ‑ das muss klar gesagt werden ‑ ist selber „pervers“. Sie lässt sich nur als Zeichen endzeitlicher Verblendung und Gerichtsreife verstehen. Zieht man zudem die gerade in Homosexuellen-Kreisen grassierende Aids-Seuche in Betracht, dann wird man unweigerlich an folgendes Wort aus der Bibel erinnert:

„Und die übrigen Leute, die nicht getötet wurden von diesen Plagen, bekehrten sich doch nicht von den Werken ihrer Hände, dass sie nicht mehr anbeteten die bösen Geister und die goldenen, silbernen, ehernen, steinernen und hölzernen Götzen, die weder sehen noch hören noch gehen können, und sie bekehrten sich auch nicht von ihren Morden, ihrer Zauberei, ihrer Unzucht und ihrer Dieberei“ (Offb. 9,20 f.).

In diesem Zitat ist von der Unzucht, aber auch von den „bösen Geistern“ die Rede, denen sich Menschen in der endzeitlichen Situation zunehmend öffnen. Betrachten wir nun das Gebiet der Pneumatologie (Lehre vom Heiligen Geist), dann sehen wir, dass diese bösen, dämonischen Geister immer frecher in den Raum der Kirche eindringen. Am gefährlichsten, weil verführerischsten dürfte die Behauptung sein, dass der Geist Gottes in allen Religionen wirke. Der Heilige Geist als die dritte Person der Dreieinigkeit sei geradezu identisch mit den Geistern des Hinduismus, Shintoismus, der afrikanischen und indianischen Stammesreligionen. Und auch in den Religionen Mohammeds, Buddhas, Zarathustras und vieler anderer Menschen offenbare sich angeblich derselbe göttliche Geist, der im Judentum und Christentum verehrt werde.

Dass solche Ansichten mitten im Raum der Kirchen Fuß gefasst haben, belegen zahlreiche gemeinsame Konferenzen und „Gebetstreffen“ mit Angehörigen anderer Religionen. Die Heilige Schrift aber warnt deutlich vor jeder Form der Religionsvermischung:

„Was die Heiden opfern, das opfern sie den bösen Geistern und nicht Gott. Nun will ich nicht, dass ihr in der Gemeinschaft der Dämonen seid“ (1. Kor. 10,20). „Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? Was hat der Tempel Gottes gemeinsam mit den Götzen? … Geht aus von ihnen und sondert euch ab!“ (2. Kor. 6,15 ff.).

Nach allem Gesagten verwundert es nicht, dass auch in der Ekklesiologie (Lehre von der Kirche) klare biblische Maßstäbe verloren gegangen sind. Das zeigt sich vor allem darin, dass Kirche in vielen Staaten kaum noch von „Welt“ unterscheidbar ist. Je „zeitgemäßer“ und „weltoffener“ die Kirche jedoch sein will, desto mehr steht sie in der Gefahr, ihr eigenes Wort zu vergessen, das sie einer weithin atheistischen und verunsicherten Bevölkerung schuldet. Wer sich Tages-Parolen der Politik von Links und von Rechts zum Programm macht, verlernt allzu leicht das Hören auf das ganz andere Wort Gottes. Insbesondere die evangelische Kirche ist heute bedroht von der Verweltlichung, ihrer Auflösung in die „Welt“ hinein. Sie macht sich dadurch selber überflüssig, was die hohen Austrittszahlen – etwa in mehreren europäischen Staaten – drastisch belegen.

Was schließlich die Eschatologie (Lehre von den letzten Dingen) angeht, so wurde die Wiederkunft Christi schon längst durch den Theologen Rudolf Bultmann und seine zahlreichen Schüler auf den Kanzeln und Kathedern aus dem Glaubensbekenntnis „gestrichen“. An die Stelle der Wiederkunft Christi und die Aufrichtung des messianischen Friedensreiches durch den Herrn ist für viele dessen schwärmerische Vorwegnahme in Gestalt eines durch eigene menschliche Kraft zu erringenden irdischen Friedensreiches getreten (proleptischer Messianismus).

Zahlreiche Aktionen und Konferenzen im evangelischen Bereich (z.B. der „Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“) sind von diesem Denken geprägt. Man merkt dabei nicht, dass sündhafte Menschen niemals dauerhaften Frieden erringen können, so schön dies nach humanistischer Vorstellung auch wäre. Wie ich an anderer Stelle (in meinen Büchern zu den Themen „Konziliarer Prozess“, „New Age“ und „Der Traum von der Einen Welt“) dargestellt habe, führen solche Utopien ‑ trotz aller vordergründig guten Ziele ‑ geradewegs zum Scheinfriedensreich des Antichristen.

Schon diese wenigen Beispiele zeigen, dass die Kirche immer näher an die Welt (verstanden als gottfeindlicher „Kosmos“) herangerückt ist ‑ ja, sie ist in verschiedenen Staaten sogar noch weiter gegangen als manche „weltlichen“ Politiker. So warten manche (konservativen) Politiker auf ein helfendes Wort der evangelischen Kirche ‑ etwa in Fragen der Abtreibung, der Euthanasie und der Homosexualität ‑ und werden von dieser allein gelassen. Die Voraussage bewahrheitet sich: „Das Gericht beginnt am Hause Gottes“ (1. Petr. 4,17). Eine neue Reformation tut not.

 

Wie eine neue Reformation aussehen könnte

Zur Situation in der Zeit vor der Reformation Martin Luthers, Huldreich Zwinglis und Johannes Calvins gibt es einige Ähnlichkeiten. Auch damals war die Kirche ‑ die römisch‑katholische Kirche ‑ verweltlicht. Die Bibel war durch das Papsttum weithin außer Kraft gesetzt. Außer dem Klerikerstand hatte so gut wie niemand Zugang zu ihr. Die Welt war durch Luxus und Pomp in die Kirche eingedrungen. Der Ablass war ein Symptom für billige Gnade und Geldmacherei. Kirche und Staat waren weithin identisch durch Kirchenfürsten und Papstherrschaft. Das Tausendjährige Reich war in Gestalt der katholischen Kirche „vorweggenommen“ worden. Die Missstände waren gravierend und eine Reformation unausweichlich.

Heute ist es ‑ inzwischen in der evangelischen Kirche, aber auch in der katholischen ‑ noch viel schlimmer geworden. Die Glaubensfundamente wurden total ausgehöhlt, wie obige Beispiele zeigen. Sicherlich gibt es mancherorts noch intakte Gemeinden. Aber die neue Situation, die eingetreten ist, sieht so aus, dass vor allem seit den 90er Jahren von Kirchenleitungen und Synoden in vielen Staaten Beschlüsse gefasst wurden, die in klarem Widerspruch zu den Geboten Gottes stehen, etwa die Tolerierung der Tötung des Kindes im Mutterleib und die Unterstützung homosexueller und radikalfeministischer Bewegungen.

Wie könnte eine Reformation aussehen? Sie müsste zuallererst zur Buße, zur Umkehr zum Herrn Jesus Christus und seinen Geboten rufen. Wir erinnern uns, wie die erste der 95 Thesen Martin Luthers lautete: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus sagt: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“ (Mt. 4,17), wollte Er, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein sollte.“ Die Reformation Martin Luthers war eine Bußbewegung. Sie begann mit der Rückkehr zum Worte Gottes und der in ihm enthaltenen zentralen Botschaft von der Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnaden.

Auch heute müsste eine Reformation mit der Rückkehr zum Wort Gottes beginnen und zur Buße, zum Nachdenken über den bisherigen Weg und zu einer radikalen Umkehr führen. Nur dadurch würde die Kirche wieder „creatura verbi“, Schöpfung des Wortes Gottes im eigentlichen Sinne.

Martin Luther definiert „Buße“ folgendermaßen:

„Also bedeutet Buße oder metanoia ein Wiederzurechtkommen und die Einsicht in die eigene Unvollkommenheit, nachdem man die Strafe erlitten und den Irrtum eingesehen hat. Das aber kann unmöglich ohne Änderung des Sinnes und der (Eigen‑) Liebe geschehen“ (Brief an Staupitz vom 30. Mai 1518; zitiert nach: Luther Deutsch, hg. v. K. Aland, Bd. 2: Der Reformator, Göttingen 1991, S. 29).

Ähnlich schreibt Johannes Calvin:

„Das Wort `Buße` ist bei den Hebräern von `Umkehr` oder `Rückkehr`, bei den Griechen von Änderung des `Sinnes` oder `Änderung eines Ratschlusses` hergenommen; beiden sprachlichen Ableitungen entspricht die Sache durchaus: Buße ist ja im Wesentlichen darin beschlossen, dass wir von uns selbst auswandern und uns zu Gott kehren, dass wir den vorigen Sinn ablegen und einen neuen annehmen … Buße ist die wahre Hinkehr unseres Lebens zu Gott, wie sie aus echter und ernster Gottesfurcht entsteht; sie umfasst einerseits das Absterben unseres Fleisches und des alten Menschen, anderseits die Lebendigmachung im Geiste“ (Institutio Christianae Religionis III,3,5).

Auch der Täufer-Führer aus der Reformationszeit, Menno Simons, weist eindringlich auf die Notwendigkeit der Buße hin:

„Ach, liebe Herren, es wird uns nicht um ein Haar nutzen, dass wir Christen genannt werden und uns des Herrn Blut, Tod, Verdienst, Gnade und Wort rühmen, solang als wir uns von diesem gottlosen, unzüchtigen und schändlichen Leben nicht bekehren; es ist alles umsonst, dass wir Christen heißen; dass Christus gestorben ist; dass wir in der Gnadenzeit geboren und mit Wasser getauft sind, solange wir nicht nach Seinem Befehl, Rat, Vermahnung, Willen und Gebot wandeln und Seinem Worte nicht gehorsam sind … Was hilft es, viel von Christus und seinem Wort zu reden, so wir an Christus nicht glauben und nach Seinem Worte nicht leben wollen! Ich sage noch einmal, wachet auf und reißet den verfluchten Unglauben mit seiner Ungerechtigkeit aus euren Herzen und beginnt ein frommes und bußfertiges Leben, wie es die Schrift lehrt; denn Christus spricht: ´So ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also umkommen`, Luk. 13, 5“ (Fundament des Glaubens, Bielefeld 1996, S. 20 ff.).

Im 20. Jahrhundert schreibt Georg Steinberger in seiner Schrift „Buße – ein himmlisches Geschenk“ (Grosshöchstetten, 11. Aufl. 1987, S. 7 f. u. 18):

„… bekennen und lassen ist der biblische Weg … Die Sünde, die wir tun, geht als Lust aus unserem Herzen, und wenn wir sie getan haben, geht sie als Last zurück in unser Gewissen. Und wenn sie dann mit Vorsatz zugedeckt wird, so wird sie zum dunklen Punkt, in welchen der Feind in schweren Stunden seinen Zweifelshebel einsetzt und alles ins Schwanken bringt und von diesem Punkt aus unsre ganze Heilserfahrung in Frage stellt … Buße tun heißt nun: über sich selbst den Stab brechen, sich als einen Verfluchten beiseitesetzen lassen und den Platz, den unser eigen Ich bis jetzt eingenommen hat, dem Gekreuzigten einräumen, Ihm den höchsten Platz in unserm Leben geben, wie Gott Ihm den höchsten Platz gegeben hat zu Seiner Rechten. Unser Ich kann nur beiseitegesetzt werden durch das Ich des Gekreuzigten. Nur wenn Christus die Stelle deines Ich einnehmen darf, wirst du befreit bleiben von deinem Ich.“

Eine Reformation müsste also eine Bußbewegung sein. Und sie müsste sich heute wie damals auf die „vier sola“ konzentrieren: solus Christus, sola scriptura, sola gratia, sola fide (allein Christus, allein die Heilige Schrift, allein aus Gnaden, allein durch den Glauben).

„Allein die Heilige Schrift“ – und zwar ohne Abstriche oder Zusätze, ohne eine zusätzliche, ihr neben- oder gar übergeordnete Lehrtradition, ohne Angleichung an den Zeitgeist, ohne die heute beherrschend gewordene historisch-kritische Bibelauslegung, die ihren Ursprung in der Aufklärung hat. Luther sagte:

„Gottes Wort soll Artikel des Glaubens stellen und sonst niemand, auch kein Engel.“ „Wir müssen die Propheten und Apostel lassen auf dem Pult sitzen und wir hienieden zu ihren Füßen hören, was sie sagen, und nicht sagen, was sie hören müssen.“ „Die Schriften (der Bibel) sind die Altäre Christi, auf denen wir uns in Seinen Gehorsam opfern müssen.“ ,,Ich habe nicht mehr denn dieses Buch. Damit soll ich mich wehren, und ich habe keinen anderen Trost als dieses Buch von Papier.“

„Allein Jesus Christus“ – und zwar Jesus, wie Ihn die Bibel bezeugt, Jesus als der ewige, menschgewordene Sohn Gottes, Jesus ohne irgendjemanden neben Ihm, ohne die Heiligen, ohne die ,,Mutter Gottes“ und „Himmelskönigin“, Jesus ohne Zusatz wie ,,Jesus und …“ oder „Jesus ja, aber auch…“ Luther sagte:

„Ich weiß nichts und will nichts wissen in göttlichen Sachen ohne allein von meinem Herrn Christo, der soll allein alles sein, was meine Seligkeit betrifft und zwischen Gott und mir zu handeln ist.“ „Er ist alles, die erste, mittlere und letzte Stufe an der Leiter zum Himmel. Denn durch Ihn müssen wir anfangen, fortfahren und hindurch zum Leben kommen.“ „Der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit Seinem heiligen, teuren Blut und mit Seinem unschuldigen Leiden und Sterben.“

„Allein die Gnade“ – und zwar ohne ein wenig „Mithelfen“ unsererseits, ohne verdienstliche gute Werke, ohne Selbsterlösungsbemühungen jedweder Art. Luther sagte:

„Mit größtem Eifer trachtete ich darnach, durch eigene Werke gerecht zu werden … Ich konnte Christus nicht sehen, weil man mich gelehrt hatte, Vergebung der Sünden und Heil durch unsre Werke zu erhoffen.“   „Staupitz (der Seelsorger in Luthers jungen Jahren bei dessen innerem Ringen) tröstete mich mit diesen Worten: Siehe Christi Wunden und Blut, für dich vergossen, an.“

„Allein durch den Glauben“ – und zwar durch das vertrauensvolle Ergreifen dessen, was Jesus am Kreuz für uns getan hat, empfangen wir ohne Verdienst, ohne Gegenleistung die Gnade der Sündenvergebung, die uns zu einem neuen Leben in der Nachfolge Christi (mit den daraus folgenden guten Werken!) befähigt. Luther sagte:

„Der Glaube ist die Art, dass er nicht empfindet, sondern die Vernunft fallen lässt, die Augen zutut und sich schlicht ins Wort ergibt und selbigem nachfolgt durch Leben und Sterben“ (Lutherzitate nach: G. Buchwald, D. Martin Luthers Leben und Lehre in Worten aus seinen Werken und Briefen, Gütersloh 1947).

Diese Grunderkenntnisse der Reformation sind unvermindert aktuell. So wird auf die Gegenwart bezogen in den neuen 95 Thesen von 1996 festgestellt:

„Allein Jesus Christus soll der Herr sein, nicht andere Herren, nicht Religionsstifter oder Ideologen. Allein das Wort Gottes, das in der Bibel niedergelegt ist, soll gelten, nicht andere Worte, Offenbarungsquellen und Ideologien. Allein aus Gnaden und durch den Glauben werden wir gerettet, nicht durch Selbsterlösungs-Techniken, Wiederverkörperungs-Vorstellungen und den frevelhaften Versuch, den umfassenden Heilszustand (Schalom) des Reiches Gottes durch die schwärmerische Erwartung eines aus eigener menschlicher Kraft errichteten Weltfriedensreiches vorwegzunehmen“ (Reformation heute, Thesen 52-54).

Das wesentliche reformatorische Anliegen wurde im 20. Jahrhundert in der Barmer Theologischen Erklärung aufgegriffen. Der erste Artikel lautet:

„Jesus Christus, wie Er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“

Reformation heißt: Rückkehr zu den biblisch‑reformatorischen Grundlagen. Wie sich dies praktisch gestalten kann, möchte ich anhand einiger Beispiele kurz schildern.

An erster Stelle sollte die Buße und Einheit der Gläubigen stehen. Wo soll eine Reformation beginnen, wenn nicht bei uns selber, in unserem eigenen Herzen? Wir brauchen eine „Reformation der Herzen“. Lassen wir uns daher reinigen durch das Blut Jesu Christi! Hören wir auf Sein Wort! Suchen wir Ihn im Gebet! Suchen wir die Glaubensgeschwister in der Gemeinschaft! Gehorchen wir Seinen Ordnungen!

Leider ist der Leib Christi sehr zerrissen. Notwendig ist aber ein Zusammenhalt der Gläubigen im Wesentlichen, nämlich im Bekenntnis zu Jesus Christus als lebendigem Herrn und Heiland. Dann, nur dann können wir Zeugen sein für Ungläubige außerhalb und innerhalb der Kirche.

Wir wollen uns daher nicht über Randfragen zerstreiten, sondern im Wesentlichen eins sein ‑ freilich nicht um jeden Preis, sondern in der Wahrheit Christi. Und der Maßstab hierfür, die gemeinsame Basis ist die Heilige Schrift.

Gerade weil die Heilige Schrift der Maßstab ist, sollte die Bibelkritik mit den aus ihr sich ergebenden Konsequenzen massiv hinterfragt werden. Eine bibeltreue Ausbildung ist notwendig. Bibeltreue Ausbildungsstätten und Hochschulen sollten endlich offiziell anerkannt und gefördert werden.

Da, wo das Wort Gottes in der Bibel wieder ernst genommen wird, kann eine Erneuerung von Theologie, Kirche und schließlich auch Gesellschaft eintreten. Da folgt der Glaube an Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch. Da folgt der Glaube an die Macht Gottes: dass er Wunder und Offenbarungen wirken kann, von denen die Bibel berichtet. Da folgt das Vertrauen auf das Heil, das allein aus dem stellvertretenden Opfer Christi, aus Seiner Kreuzigung und Auferstehung erwächst. Allein Jesus Christus ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh. 14,6). Und daraus folgt die Erwartung Seiner Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit.

Die Erneuerung der Kirche kann nur von Gott geschenkt werden, durch das Wirken Seines Geistes, aber sie muss vermittelt werden von den Kathedern und Kanzeln herab ‑ und auch von unten her, von jedem einzelnen Gläubigen, der Zeuge Christi in dieser Welt ist. Jeder ist gerufen, hier zu wirken und die verändernde Kraft des Evangeliums in eine gottferne Welt und Kirche hineinzutragen. Eine Erneuerung von Theologie, Kirche und Gesellschaft kann eine oder zwei Generationen dauern, vorausgesetzt, dass Gott noch Gnadenzeit schenkt, aber der Versuch sollte gewagt werden.

Ferner ist eine Wiedereinführung der Gemeindezucht notwendig. Diese ist ja heute weithin abgeschafft. Irrlehrer und offen unmoralisch Lebende müssen aus den Gemeinden ausgeschlossen werden können, denn „ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig“ (1. Kor. 5,6). Dies gilt selbst dann, wenn es sich bei den Betroffenen um Oberkirchenräte, Kirchenpräsidenten oder Bischöfe handeln sollte. Freilich: wer hat in einem solchen Fall die Autorität und Macht, dies durchzusetzen? Ist es nicht bereits zu spät? Das sind ernste Fragen in einer ernsten Lage.

Und schließlich gilt es, gegen den Zeitgeist Widerstand zu leisten, etwa gegen die „Segnung“ von Homosexuellen. Wir sollen „Salz und Licht“ der Welt sein (Mt. 5,13 ff.) ‑ und nicht Öl im Getriebe, das jedem Trend nachgibt.

 

Warum eine Reformation heute schwierig ist

Wir müssen uns fragen, ob eine Reformation heute nicht schwieriger ist als zur Zeit Luthers, ja ob sie nicht sogar unmöglich geworden ist. Drei Gründe legen diesen Schluss nahe:

Erstens sind die kirchlichen Leitungsgremien und kirchlichen und staatlichen Ausbildungsstätten weithin von liberalen Kräften besetzt und unterwandert worden. Ein Machtkartell wurde aufgebaut, das Andersdenkende zunehmend ausschließt. Die aus der neomarxistisch geprägten Studentenrevolution der sechziger Jahre hervorgegangene Feministen‑ und Homosexuellen‑Lobby hat Zugang zu den Entscheidungsgremien erlangt. Wie in einer Zangenbewegung werden die Gläubigen von oben (Kirchenleitungen) und unten (linke und scheinliberale Basisinitiativen) bedrängt. Momentan ist keine Änderung dieser Verhältnisse abzusehen.

Hinzu kommt zweitens, dass der Zeitgeist glaubenstreuen Christen immer heftiger ins Gesicht weht. Der Trend in unserer Gesellschaft ist christus‑ und christenfeindlich. Das muss uns nicht wundern, befinden wir uns doch nach der biblischen Voraussage zunehmend in der endzeitlichen Situation des Glaubensabfalls und der Gesetzlosigkeit (anomia; Mt. 24,12; 2. Thess. 2,10). Die Gebote Gottes, Sein Wille und Seine Liebe werden mit Füßen getreten. Angesichts dieser Lage möchten wir mit Reinhold Schneider ausrufen: „Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt` Leben abzuringen.“

Sind wir in die Endzeit eingetreten, dann stellt sich drittens die Frage, ob wir als Gemeinde Jesu noch die Verheißung großer Zahlen haben. Oder befinden wir uns als glaubens‑ und bibeltreue Christen nicht in der Situation der kleinen Schar, zu der Jesus sagt: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben“ (Lk. 12,32)?

Ist also eine Reformation in großem Rahmen heute noch möglich ‑ oder könnte sie sich nicht in kleinem Rahmen ereignen: in unserem eigenen Herzen, in einzelnen Gruppen und Kreisen, in einzelnen Gemeinden, vielleicht sogar noch in einzelnen Kirchen? Wir dürfen den Herrn bitten, dass Er Gnade schenkt, aber wir sollten nicht enttäuscht sein, wenn große Aufbrüche ausbleiben.

Wir leben in der Endzeit. Der Glaubensabfall der vielen einzelnen summiert sich zum Glaubensabfall der Kirchen. „Die Hure Babylon ist die verweltlichte Kirche“, schrieb im 19. Jahrhundert der Theologieprofessor Carl August Auberlen im Blick auf Offenbarung 17 (Der Prophet Daniel und die Offenbarung Johannes, Basel 1857, S. 314). Und Friedrich Mayer bemerkt zu dieser Stelle: „Dabei dürfen wir nicht nur an ´Rom` denken, sondern ohne Zweifel an alles falsche Kirchenwesen auf Erden, an alles unechte, also weltförmige ´Christentum`, wie es allmählich auch in der kleinsten Gemeinschaft mitten drin sitzt. Sie alle, diese Kirchen, Konfessionen, Sekten, Freikirchen, Gemeinschaften, keine einzige ausgenommen, sind kleine ´Babel` geworden, voll Verwirrung, und sind von ihrem ersten Geist himmelweit gefallen“ (Der Tag des Herrn, Stuttgart 1957, S. 419).

Obwohl ich mich dem letzten Satz in seiner Radikalität nicht anschließen kann (meines Erachtens ist die Lage noch nicht in allen Gemeinden ganz so schlimm), so enthält er doch einen wahren Kern: nämlich dass keine christliche Gruppierung vom „Babelgeist“ unberührt bleiben wird. Keine Gemeinde wird sagen können: „Ihr seid Babel ‑ und wir nicht!“ Nein, „Babel“ geht mitten durch die Gemeinden, ja manchmal sogar mitten durch die Herzen hindurch!

Denn ‑ so definiert der französische Bibellehrer René Pache treffend ‑ die Hure Babylon „stellt nicht lediglich eine bestimmte Gruppe von Abgefallenen dar, sondern alle falsche Religion auf Erden. Es hat viele falsche Christen bei den Katholiken gegeben, aber ebenso bei den Protestanten, den Orthodoxen und anderswo. Geistlichen Ehebruch begehen alle, die ihr Herz zwischen Gott und der Welt teilen, Jak. 4,4; die bei einem strengen Dogma die Bekehrung ablehnen; die vom Glauben an die Bibel abweichen, indem sie die Gottheit Jesu Christi und die Sühnekraft Seines Bluts leugnen; alle, welche Andersgläubige verfolgen … Die ´große Hure` ist die abgefallene Kirche, die Jesu Christi Eigentum zu sein gelobte und nun mit der Welt Ehebruch treibt.“ Sie ist „das Sinnbild der verweltlichten Religion … das weltliche System geistlicher Verwirrung, heuchlerischer Wollust und kirchlicher Korruption in ihrer ganzen Scheußlichkeit“ (Die Wiederkunft Jesu Christi, Wuppertal, 11. Aufl. 1987, S. 168. 176f.)

Diese Endzeitkirche wird in ihrer ganzen Verderbtheit erst in der antichristlichen Trübsalszeit offenbar werden. Und doch wirft sie ihre Schatten längst voraus. Unter und neben den bereits genannten Kennzeichen erscheinen mir die folgenden besonders wichtig:

 

Die Babylon‑Kirche der Endzeit

‑ stellt sich der Welt gleich und vertauscht Gottes Geist mit dem Zeitgeist (Offb. 17,2; 18,3);

‑ betreibt »Hurerei«, das heißt: sie setzt heidnische Götzen mit dem Gott der Bibel gleich und vermischt die Religionen und Ideologien (Offb. 17,2.5.15; vergleiche Hos. 1,2; 3,1);

‑ ist auf Geld und Macht aus (Offb. 17,4.18; 18,7.9‑19);

‑ ist äußerlich prachtvoll, doch innerlich tot (vergleiche Offb. 3,1);

‑ bringt die wahrhaft Gläubigen zunehmend in Bedrängnis (Offb. 17,6);

‑ lenkt durch falsche Zeichen und Wunder von den rettenden Wunden Jesu ab (vergleiche Mt. 24,24; 2.Thess. 2,9; Offb. 13,13);

‑ bereitet dem Antichristen den Weg, der sie zunächst für sein religiöses Gaukelwerk missbraucht, um sie anschließend fallenzulassen (Offb. 17,3.16).

 

Die Brautgemeinde der Erlösten hingegen

‑ setzt sich zusammen aus Gläubigen in allen Denominationen, die nur Gott wirklich kennt (1. Sam. 16,7; Joh. 17,20‑26);

‑ wartet auf Jesu Wiederkunft (Mt. 24 f.; 2. Petr. 3,11 ff.);

‑ passt sich dem Zeitgeist nicht an, sondern ist Salz und Licht der Welt (Mt. 5,13 ff.; Röm. 12,1; 1. Joh. 2,15‑17);

‑ geht durch irdische Niedrigkeit, Verachtung und Verfolgung hindurch zur himmlischen Herrlichkeit (Mt. 10,9 f.; 24,9‑13; 2. Tim. 3,12);

‑ hält Jesus als dem einzigen Herrn und Erlöser die Treue und lehnt jede Religionsvermischung ab (Joh. 14,6; Apg. 4,12);

‑ fällt nicht auf falsche Zeichen und Wunder herein, sondern orientiert sich allein am Wort der Heiligen Schrift (Jer. 23,28; 2. Tim. 3,14‑17);

‑ bereitet Christus den Weg, indem sie viele in Seine Nachfolge ruft (Mt. 24,14).

  Wir müssen uns dabei bewusst sein, dass die Unterwanderung zunehmend auch die Freikirchen erfasst. „Babylon“ geht – wie schon angedeutet – mitten durch die Konfessionen, Kirchen, Gemeinden, Gruppen und sogar das eigene Herz hindurch. Wir sollten uns und unsere Gemeinden prüfen und den Sauerteig der babylonischen Verführung hinausfegen, solange es noch möglich ist.

Es tröstet uns die Verheißung, welche der Herr dem Apostel Petrus als dem ersten Bekenner Seiner Gottessohnschaft zugesprochen hat: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will Ich Meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen“ (Mt. 16,18). Selbst wenn die Kirche als Institution immer mehr verweltlicht und zur Gegenkirche wird, bleibt doch die Gemeinde Jesu als die Gemeinschaft der Glaubenden lebendig ‑ bis der Herr wiederkommt in Herrlichkeit und sie zu sich holt. Und das dürfen wir täglich erbitten: Komme bald, Herr Jesus!

An dieser Stelle ist nun leider darauf hinzuweisen, dass der Zeitgeist auch vor evangelikalen (konservativen) Christen nicht Halt macht. In seinem unbequemen Buch „Wenn Salz kraftlos wird. Die Evangelikalen im Zeitalter juckender Ohren“ (Bielefeld 1996) weist der amerikanische Autor John Mac Arthur darauf hin, dass auch in vielen evangelikalen Kreisen die Verweltlichung eingebrochen ist. Mac Arthur warnt vor einem „Pragmatismus“, der danach fragt, was bei den Zuhörern „ankommt“, wonach ihnen „die Ohren jucken“, und der dabei Gottes Wort und Willen zunehmend hinten anstellt oder überhört.

Bereits vor rund 200 Jahren hatte der bekannte dänische Philosoph Sören Kierkegaard geklagt: „Oh Luther, du hattest 95 Thesen: Entsetzlich! Und doch im tieferen Verstand: Je mehr Thesen, desto weniger entsetzlich. Die Sache ist viel entsetzlicher: Es gibt nur eine These ‑ das Christentum des Neuen Testamentes ist gar nicht da“ (Christenspiegel, Ausgabe Wuppertal 1979, S. 68). Damals bestand die Verweltlichung der Kirche vor allem darin, dass man sich mit einer rechtgläubigen Sonntagsfrömmigkeit begnügte, die keine Auswirkung auf das Alltagsleben der Christen hatte. Kierkegaard nannte diese „Entartung des Protestantismus“: „geistlose Weltlichkeit“.

Heute wird über grundlegende biblische Wahrheiten wie „Sünde“, „Buße“, „Kreuz“ und „ewige Verdammnis“ – auch in verschiedenen evangelikalen Kreisen – immer weniger gepredigt und großzügig hinweggegangen. An deren Stelle tritt zunehmend ein „Unterhaltungs- und Wohlstandsevangelium“, das keinem weh tut, aber auch keinen angesichts der apokalyptischen Bedrohungen wachrütteln kann. Demgegenüber ruft uns Jesus zu: „Wachet, denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt!“ (Mt. 24,42). Jeder Christ sollte aufpassen, dass er nicht in den Einheitssog des Zeitgeistes und Glaubensabfalls hineingerissen wird. Der Teufel will uns schläfrig machen, aber mit Gottes Hilfe können wir ihm widerstehen (1. Petr. 5,8 f.; Eph. 6,10 ff.).

Es ist Endzeit. Dennoch sind wir – frei nach Martin Luther – aufgerufen, ein Apfelbäumchen zu pflanzen, auch wenn morgen die Welt unterginge – und das heißt: zu wirken, solange es noch Tag ist. Die Heilige Schrift zeigt uns, dass selbst noch in allerletzter Stunde – inmitten der endzeitlichen Gerichte und der Aufbäumung der antichristlichen Gewalten – eine Einladung zur Umkehr erklingt – und um wie viel lauter sollte diese Einladung heute erschallen:

„Und ich sah einen anderen Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen, allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern. Und er sprach mit großer Stimme: Fürchtet Gott und gebt Ihm die Ehre; denn die Stunde Seines Gerichts ist gekommen! Und betet den an, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserquellen!“ (Offb. 14,6 f.)

 

Wie sich die Gläubigen in dieser Lage verhalten können

Es gilt, weiterhin zu glauben, zu lieben und zu hoffen. Und es gilt, weiterhin zu beten: für eine Umkehr in Kirche und Gesellschaft, für diejenigen, die öffentliche Verantwortung tragen, für die angefochtenen Gemeinden und Einzelnen. Es stimmt nicht, dass es bei Gott nie ein „Zu spät“ gebe. Aber wir als Menschen können nicht wissen, wann dieses „Zu spät“ erreicht ist.

Auftreten oder austreten? ‑ Diese Frage stellen sich viele Christen. Die Antwort kann nicht pauschal gegeben werden. Sie richtet sich nach der persönlichen Führung des einzelnen durch den Herrn und auch nach der Situation vor Ort. Allerdings sollte jeder, der vor dieser Frage steht, die gesamtkirchliche Lage nicht übersehen ‑ selbst wenn an seinem Ort ein guter, gläubiger Pfarrer Dienst tut. Sicherlich wollen wir solche Pfarrer nicht im Stich lassen. Aber andererseits dürfte eine Grenze erreicht sein, wenn die Kirche als Gesamtkörperschaft Gesetze beschließt und verbindlich macht, die in klarem Widerspruch zum Worte Gottes stehen. So könnte es etwa in puncto „Homosexualität“ und „Fundamentalismus“ erfolgen (und ist inzwischen weithin geschehen). Es drängt sich die Frage auf: Ab welchem Punkt mache ich mich fremder Sünden teilhaftig?

Ich erinnere an 1. Kor 6,14‑18, wo es heißt:

„Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen! Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? Was hat der Tempel Gottes gemeinsam mit den Götzen? Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes, wie denn Gott spricht: ,Ich will unter ihnen wohnen und wandeln und Ich will ihr Gott sein, und sie sollen Mein Volk sein’. Darum ,gehet aus von ihnen und sondert euch ab’, spricht der Herr ,und rühret kein Unreines an, so will Ich euch annehmen und euer Vater sein, und ihr sollt Meine Söhne und Töchter sein’, spricht der allmächtige Herr.“

Und Offb. 18,4 f., eine Stelle, die sich auf die endzeitliche „Hure“, das „große Babylon“, bezieht, lautet:

„Und ich hörte eine andere Stimme vom Himmel, die sprach: Gehet aus von ihr, Mein Volk, dass ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden, damit ihr nicht empfangt etwas von ihren Plagen! Denn ihre Sünden reichen bis an den Himmel, und Gott denkt an ihren Frevel.“

Wie gesagt, es stellt sich die Frage: Ab welchem Punkt mache ich mich fremder Sünden teilhaftig, wenn diese nun gutgeheißen werden? Ich möchte klar sagen: Jeder Mensch ist von Natur aus ein Sünder. Wir dürfen nicht sagen, diese oder jene Sünde sei schwerwiegender. Aber es ist ein Novum, ein neues Ding, wenn man in Staat und Kirche in der heutigen Zeit eine Sünde, die immer wieder als Gräuelsünde in der Heiligen Schrift benannt wird, nämlich die praktizierte Homosexualität, als gleichberechtigte, ja „gottgewollte“ Form von Sexualität hinstellt. Ich will noch einmal sagen: Den Betroffenen wollen wir seelsorgerlich helfen. Wir wollen ihnen unsere ganze Liebe als Gemeinde und Gemeinschaft weitergeben, die Liebe Jesu Christi. Aber wir können nicht etwas segnen, was Gott verwirft – und wir können auch nicht einem solchen „Segen“ zustimmen.

In der Heiligen Schrift finden wir zahlreiche Beispiele für Buße, für eine radikale Umkehr von Menschen zu Gott. Zwei Beispiele möchte ich an das Ende meiner Ausführungen stellen. König David tat individuelle Buße für sein eigenes Vergehen. Er hatte Ehebruch mit Bathseba, der Frau des Hetiters Uria, begangen und Uria dem Tode ausgeliefert. Gott sandte den Propheten Nathan zu David, um sein Gewissen wachzurütteln und David zur Buße zu rufen. Und David beugte sich vor Gott. In 2. Samuel 12 lesen wir folgendes darüber:

„Da sprach Nathan zu David: … Warum hast du das Wort des HERRN verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel? Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen …. Nun, so soll von deinem Hause das Schwert nimmer mehr lassen, weil du mich verachtet und die Frau Urias, des Hetiters, genommen hast, dass sie deine Frau sei. So spricht der HERR: Siehe, Ich will Unheil über dich kommen lassen aus deinem eigenen Hause und will deine Frauen nehmen vor deinen Augen und will sie deinem Nächsten geben, dass er bei ihnen liegen soll an der lichten Sonne. Denn du hast’s heimlich getan, Ich aber will dies tun vor ganz Israel und im Licht der Sonne. Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt gegen den HERRN. Nathan sprach zu David: So hat auch der HERR deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben. Aber weil du die Feinde des HERRN durch diese Sache zum Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben.“ (aus 2. Sam. 12,9-15).

Davids Bußgebet in dieser Situation gipfelt in dem Schrei „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Es ist ein Vorbild für alle Generationen. Luther hat den Psalm 51, in dem es überliefert ist, als den „vierten Bußpsalm“ bezeichnet:

„Gott, sei mir gnädig nach Deiner Güte, und tilge meine Sünden nach Deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von meiner Sünde; denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir …“ (Ps. 51,3 ff.).

Der König Josia tat kollektiv Buße für das ganze Volk. Sein Vater war der gottlose König Amon, seine Mutter war Jedida („Geliebte“), die Josia zur Gottesfurcht erzog. Der Großvater Josias war Manasse, der ähnlich wie Ahab das Heidentum wieder nach Juda brachte (2. Kön. 21,2‑9). Im achten Jahr seiner Regierung (mit 16 Jahren) fing Josia an, den Gott seines Vorfahren David zu suchen. Im zwölften Jahr seiner Regierung (mit 20 Jahren) begann er, Juda, Jerusalem und die Gebiete des ehemaligen Nordreiches vom Götzendienst reinigen. Im achtzehnten Jahr seiner Regierung (mit 26 Jahren) beauftragte er Schaphan und andere, die Renovierung des Tempels zu veranlassen. Bei dieser Gelegenheit übergab der Hohepriester Hilkija das Buch des Gesetzes des HERRN (möglicherweise das 5. Buch Mose), das lange verschollen und bei der Renovierung des Tempels aufgefunden worden war, dem Schaphan. Schaphan studierte das Buch, informierte den König und las es ihm vor. Josia reagierte auf den Inhalt des Buches mit dem Zerreißen seiner Kleidung als Zeichen seiner Trauer und seines Entsetzens über die Situation im Land.

„ … Und der König gebot dem Hohenpriester Hilkija und dem zweitobersten Priester und den Hütern der Schwelle, dass sie aus dem Tempel des HERRN hinaustun sollten alle Geräte, die dem Baal und der Aschera und allem Heer des Himmels gemacht waren. Und er ließ sie verbrennen draußen vor Jerusalem im Tal Kidron und ihre Asche nach Bethel bringen. Und er setzte die Götzenpriester ab, die die Könige von Juda eingesetzt hatten, um auf den Höhen zu opfern in den Städten Judas und um Jerusalem her; auch die dem Baal geopfert hatten, der Sonne und dem Mond und den Planeten und allem Heer am Himmel. Und er ließ das Bild der Aschera aus dem Hause des HERRN bringen hinaus vor Jerusalem an den Bach Kidron und verbrennen am Bach Kidron und zu Staub mahlen und den Staub auf die Gräber des einfachen Volks werfen. Und er brach ab die Häuser der Tempelhurer, die am Hause des HERRN waren, in denen die Frauen Gewänder für die Aschera wirkten.

Auch rottete Josia aus alle Geisterbeschwörer, Zeichendeuter, Abgötter und Götzen und alle Gräuel, die im Lande Juda und in Jerusalem zu sehen waren, damit er erfüllte die Worte des Gesetzes, die geschrieben standen in dem Buch, das der Priester Hilkija im Hause des HERRN gefunden hatte. Seinesgleichen war vor ihm kein König gewesen, der so von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften sich zum HERRN bekehrte, ganz nach dem Gesetz des Mose, und nach ihm kam seinesgleichen nicht auf“ (aus 2. Kön. 23,1-7.24-25).

Josia suchte Gott. Er fand die Bibel in Form des mosaischen Gesetzbuches (Thora). Er erschrak vor dem Zorn des heiligen Gottes. Er verpflichtete das Volk zum Gehorsam gegenüber dem Alten Bund. Er reinigte den Tempel, die Stadt und das Land Gottes vom Heidentum. Er kehrte von ganzem Herzen um und tat Buße. Und was tun wir? Sicherlich erstreben wir heute keine Theokratie (politische Gottesherrschaft). Wir sind nicht das Volk Gottes wie Israel in alttestamentlicher Zeit. Was aber realistisch und wünschenswert ist, ist die Umkehr, die beim Einzelnen und in den Kirchen beginnen sollte und von da aus auf Staat und Gesellschaft ausstrahlt. Zu dieser Umkehr, zu einer „Reformation der Herzen“, kann eine freiwillige Selbstverpflichtung vieler Einzelner hilfreich sein. Ich schließe daher mit dem Versuch einer „Reformations-Erklärung im Lutherjahr“ (die keineswegs auf dieses Jahr beschränkt sein sollte):

,,Ich mache mir den Inhalt der neuen 95 Thesen zu eigen. Durch Gottes Gnade und mit Gottes Hilfe verpflichte ich mich, dem Herrn und Heiland Jesus Christus treu zu bleiben, dem Zeitgeist zu widerstehen und möglichst viele Menschen in die Nachfolge Jesu Christi zu rufen. Das bedeutet unter anderem,

l dass ich durch Bibellese und Gebet in Verbindung mit Gott bleibe und mir von Ihm Stärkung und Korrektur schenken lasse;

l dass ich die Bibel auch in ihren ethischen und dem Zeitgeist widersprechenden Aussagen ernst nehme und danach zu leben versuche;

l dass ich meinen Auftrag als Christ wahrnehme, alle Lehr- und Lebensäußerungen meiner Gemeinde und Kirche an der Bibel als Maßstab zu prüfen;

l dass ich zu unbiblischen Entwicklungen nicht schweige;

l dass ich evangeliumswidrige Aktionen, von wem auch immer sie ausgehen, weder ideell noch finanziell unterstütze;

l dass ich mich hinter Mitarbeiter meiner Kirche stelle, die wegen ihrer bibeltreuen Haltung und erwecklichen Verkündigung Probleme mit ihrer Kirchenleitung bekommen;

l dass ich mich selber für einen missionarischen Gemeindebau und für bibeltreue Werke und Gemeinden einsetze – so wahr mir Gott helfe.“ Amen.

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